Swantje Lichtenstein

Wand und Löw und das verliebte Paar
Da sind sie allesamt und ihr auch,
ihr immer alle und die Verliebten
retten sich, indem sie die Köpfe immer
wieder an die Wand rammen und die Löwen
loslassen, im Glauben diese Wand habe
Eingänge, woran man vorbeiginge und
keiner stieße auf die Öffnungen,
keiner schaute da durch, denn wenn
man herum ginge, gäbe es Möglichkeiten
eventuell dahinter zu kommen, alleine
oder zu zweien und immer wieder ihr.

                       *

Daß ich bin diese Wand, ich wills euch nicht verschweigen
Nicht du, nein ich bin diese Wand und spräche davon
beim Mauern schlößen sich Wände,
kämen aufgezogen hoch, starr und steinig,
schwiegen wort- und zeitlos gingen immer weiter,
ich bin diese Wand, die ich nicht verstehe,
die ich bin, wenn du bist, wenn du mir nah bist,
wenn du herankommst, polterst, geisterst, sprichst,
verschweige ich es nicht, ich bin diese Wand,
diese und alle eure Wände, transparent.

                       *

Du Wand, o Wand, o süß’ und liebenswerte Wand!
Wenn du die Wand bist, wenn nicht ich, nein eben du
diese Wand bist, sei es süß, legte ich Hände Schöße,
schau, schau die Wand an, bin vom Entzücken gerädert,
bin verliebt und verloren an die Wand, zuckerbergige Wand,
an der ich hochklettere, hängend mich schmiege
und vergehe in Taumel, am Tropf, himmle sie an,
die Wand.
(…)