Internationale Poetry-Biennale  -  Filmfestival  -  Salon  -  Netzwerk


Coming up:
IN BETWEEN. 5.Schamrock-Festival der Dichterinnen 2020/1 – Literaturhaus Wien, 4. November 2021
25. Schamrock-Salon der Dichterinnen – Literaturhaus Wien, 5. November 2021
26. Schamrock-Salon der Dichterinnen – Stiftung Lyrik Kabinett München, 11. November 2021

FEMALE PRESENCE - 4. Schamrock Dokumentar- und Spielfilm Festival___
25/26 September & 2/3 Oktober 2021


©Thomas Antonic

Samstag 25. September - 18.30 Uhr, Echt Optimal Schallplatten

RUTH WEISS SPECIAL

Lesung und Buchvorstellung mit Thomas Antonic und Lisa Jeschke

Ein eigenes Special mit Filmen und Lesungen widmen wir der kürzlich verstorbenen legendären Beat-Poetin Ruth Weiss. Sie war die letzte große Vertreterin der "Beat Poetry". Die in Berlin geborene Autorin mit jüdischen Wurzeln konnte 1938 gerade noch von Wien aus nach Amerika auswandern. Seit Mitte der 1950er Jahre war sie Teil der US-amerikanischen „Beat Poets“, sie verband als erste bei ihren Auftritten Poetry und Jazz und blieb als einflussreiche Stimme weltweit bis zuletzt aktiv.

Regisseur und Autor Thomas Antonic stellt seine neue Ruth Weiss-Biografie (erscheint 2022) und die eben bei de Gruyter erschienene Anthologie Beat Poetry, Jazz, Art vor. Die Münchner Dichterin Lisa Jeschke liest Texte von Ruth Weiss, u.a. aus ihrer letzten Publikation Death Becomes Light Is the Bird of Our Love, unlängst erschienen in der Tiroler ⇒ Edition Baes.

Einführung von Kalle Aldis Laar

Nachruf auf Ruth Weiss von Thomas Antonic



©Canto Films

Samstag 25. September, Ruth Weiss Special - 20.30 Uhr, Werkstattkino

ONE MORE STEP WEST IS THE SEA

AT 2021, Prescreening, Regie: Thomas Antonic (OmU)

Ruth Weiss wurde 1928 in einer jüdisch-österreichischen Familie in Berlin geboren. 1933 flohen die Eltern nach Wien. Hier schrieb Weiss mit fünf ihr erstes Gedicht: "Es war einmal ein Bär / der hatte braune Augen / spazierte hin und her / und wollt zu gar nichts taugen". 1939, mit dem letzten Zug, der die Grenze überqueren durfte, flüchtete die Familie nach New York.

Die "Beat-Goddess" (Herb Caen,  San Francisco Chronicle) verband nicht nur als erste Jazz und Poetry: "Others read to jazz or write from jazz. ruth weiss writes jazz in words." (Jack Hirschmann). Sie schrieb, performte, malte und filmte die Tatsache, dass für sie "ein Schritt weiter im Westen die See" liegt. Im Alter von über 90 Jahren ist ihr Leben eine große Collage, die über ihre Beat-Wurzeln weit hinausgeht. Sie ist die kosmische Geflüchtete unter den ekstatischen Erinnerungen der Gegenkultur.

Der mehrfach ausgezeichnete Beat-Forscher und Schriftsteller Thomas Antonic spürt in seinem Debüt als Dokumentarfilmer Weiss’ bahnbrechender Kunst und ihrer Welt nach, die keine Grenzen kennt.

⇒ Official Trailer

 

 

 

THE BRINK

USA 1961, 40 min, Regie: Ruth Weiss (OF)

Basierend auf einem ihrer Gedichte wurde dieser faszinierende und lyrische Film von Stan Brakhage als einer der wichtigsten San Francisco-Filme dieser Zeit bezeichnet. Eine verspielte Liebesgeschichte über zwei einsame Menschen, atemberaubend fotografiert von dem Maler Paul Beattie.

1981 kam der Film in kleiner Auflage auf VHS-Kassetten heraus, Schamrock besitzt ein Exemplar der raren Ausgabe. Im Anschluss an dieses besonderes Festival-Highlight zeigen wir noch einige Konzert-Clips und präsentieren (gleichfalls rare) Tonträger.




©Neue Visionen Filmverleih

Samstag 25. September - 22.30 Uhr

ANNE CLARK: I&LL WALK OUT INTO TOMORROW

D 2018, 84 min, Regie: Claus Withopf (OmU)

Anne Clark, Ikone der Musikgeschichte und grandiose Pionierin der Spoken Word-Kunst, steht seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne. Sie verwandelt Sprache in einzigartige Musik. Seit Beginn der 80er Jahre sorgten New Wave Klassiker wie OUR DARKNESS und SLEEPER IN METROPOLIS für einen Rausch der Begeisterung, der Generationen von Musikern inspirierte. Ihre analogen Synthesizer-Sounds machten die düstere Poetin zu einer Wegbereiterin des Techno.

Nach einschneidenden Konfrontationen mit ihrer Plattenfirma verschwand sie von der musikalischen Bildfläche und erfand sich in der stillen Einsamkeit Norwegens neu. Regisseur Claus Withopf begleitete Anne Clark fast ein Jahrzehnt lang und porträtiert eine so gesellschaftskritische wie überwältigende Ausnahmekünstlerin – eine musikalische Rebellin, die sich jenseits des kommerziellen Mainstreams auf ihrer eigenen Tonspur bewegt. Mit existentiellen Lyrics, handfester Poesie und akustischen Experimenten schuf Anne Clark ein Repertoire feinster elektronischer Musik.

ANNE CLARK – I‘LL WALK OUT INTO TOMORROW ist das fesselnde Porträt einer unverwechselbaren Künstlerin, die mit der Kraft ihrer sensationellen Poesie und explosiven Sounds die Musikwelt auf den Kopf gestellt hat.

Offizieller Kinotrailer



Sonntag, 26. September - 18 Uhr

SISTERS WITH TRANSISTORS

DK 2020, 82 min, Regie: Lisa Rovner (OmU)

Lisa Rovner hat sich für ihren ersten abendfüllenden Dokumentarfilm der „unbesungenen Heldinnen“ der elektronischen Musik angenommen. Sie konzentriert sich auf Komponistinnen vorwiegend akademischer Musik, wobei die vorgestellten Künstlerinnen oft nicht nur großen Einfluss auf den abenteuerlustigeren Pop hatten, sondern selbst zwischen „ernster“ und „Unterhaltungsmusik“ aktiv waren. Erzählt wird der Film von der Künstlerin und Musikerin Laurie Anderson. Die meiste Zeit jedoch sprechen die Protagonistinnen selbst, ergänzt durch die Stimmen von Zeitgenossen und Nachfolgern. Musikbeispiele gibt es fast im Vorder- oder im Hintergrund fast durchgehend.

"Sisters With Transistors is more than a music documentary. It's a long overdue tribute to the women that broke barriers in music, technology, and society as a whole. This is not a retrospective, it's a new beginning. Who knows how many future maestros will be inspired by this film?" - Owen Richards, The Art Desk

SISTERS WITH TRANSISTORS is the remarkable untold story of electronic music’s female pioneers, composers who embraced machines and their liberating technologies to utterly transform how we produce and listen to music today. The film maps a new history of electronic music through the visionary women whose radical experimentations with machines redefined the boundaries of music, including Clara Rockmore, Daphne Oram, Bebe Barron, Pauline Oliveros, Delia Derbyshire, Maryanne Amacher, Eliane Radigue, Suzanne Ciani, and Laurie Spiegel.

The history of women has been a history of silence. Music is no exception. As one of the film’s subjects, Laurie Spiegel explains: “We women were especially drawn to electronic music when the possibility of a woman composing was in itself controversial. Electronics let us make music that could be heard by others without having to be taken seriously by the male dominated Establishment.”

Trailer



©Dogwoof

Sonntag, 26. September - 20 Uhr

MATANAGI / MAYA / M.I.A.

USA/GB/Sri Lanka 2018, 95 min, Regie: Steve Loveridge, OmU

Musik war meine Medizin. Ich musste damit klarkommen, dass ich anders war, eine Migrantin. In SriLanka schossen sie auf mich, In England spuckte man mich an, weil ich ein „Paki“ [= Kanake] bin."

Von Bürgerkriegs- und Migrationserfahrungen bis zum Aufstieg zum populären aber kontroversen Star – der Dokumentarfilm spürt dem Leben der Sängerin und Pop-Ikone M.I.A. nach. In Sri Lanka als Kind des Begründers der tamilischen Unabhängigkeitsbewegung geboren, flieht Mathangi „Maya“ Arulpragasam alias M.I.A als Neunjährige mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach London.

Mit dem Plan, Dokumentarfilmerin zu werden, kehrt sie als Kunststudentin nach Sri Lanka zurück und filmt ihre Familienangehörigen. Die Reise und ihre Erfahrungen mit dem dortigen militaristischen Regime prägen ihre künstlerische und politische Haltung. Anhand von Archivmaterial aus den letzten 22 Jahren, das meiste von Maya selbst gedreht, zeigt Steve Loveridge, wie sie Popmusik als politisches Sprachrohr nutzt und dabei nicht davor zurückschreckt, als Außenseiterin dazustehen.

„Der Film hat seinen Ursprung in einer tiefen Bewunderung für M.I.A. Aber anders als viele eher anbiedernde Biografien überzeugt er uns, dass diese Bewunderung wohlverdient ist.“ The Guardian

Trailer



Samstag, 2. Oktober - 20.30 Uhr

HIBIKI

Japan 2018, 105 min, Regie: Shô Tsukikawa, OmU (engl.)

Hibiki beruht auf der Manga-Serie Hibiki: Shousetsuka ni Naru Houhou (Wie man Schriftstellerin wird) von Mitsuharu Yanamoto, erstmals erschienen 2014. Der Film erregte kurz große Aufmerksamkeit auf einigen Festivals, verschwand dann aber gleich wieder.

Hibiki Akui (Yurina Hirate) ist ein sehr sensibles 15-jähriges Mädchen mit einem Talent zum Schreiben. Sie wächst in einer gewöhnlichen Familie auf, ihr Vater arbeitet als Beamter, ihre Mutter ist Hausfrau und ihre älteren Brüder studieren an einer Universität.

Hibiki schickt das Manuskript ihres Romans zu dem Wettbewerb des Literaturmagazins „Mokuren“ ein, es landet jedoch im Papierkorb. Zufällig findet Editorin Fumi Hanai "Otogi no Niwa“ ("Der Märchengarten")und entwickelt daraufhin großes Interesse an Hibiki - für sie ist sie ein Genie.

Ein Highschool-Girl mit überwältigendem literarischem Talent mischt mit ihrer ebenso brillanten wie rücksichtslosen Spontaneität das Leben ihrer Mitmenschen auf.

Trailer (japanisch)



Samstag, 2. Oktober - 22.30 Uhr - Eintritt frei

SWING GIRLS

Japan 2004, 105 min, Regie: Shinobu Yaguchi, OmU (dt.)

Tomoko und ihre Klassenkameraden sollen das Mittagessen an ihre Highschool-Blaskapelle liefern. Leider schlafen die Mädchen im Zug ein, verpassen ihren Halt, müssen dann ein beträchtliches Stück in der prallen Sonne laufen, Das Essen verdirbt und alle Mitglieder des Blechbläserteams werden krank, außer Nakamura.

Nakamura verlangt, dass Tomoko und ihre Freundinnen der Blaskapelle beitreten. Die Mädchen haben keine Ahnung, wie man spielt, er bringt ihnen in kürzester Zeit die Instrumente bei. Ihr Enthusiasmus wird durch die Rückkehr der ursprünglichen Band gedämpft, nach einigen Momenten der Verzweiflung ergreifen die Mädchen die Initiative, ihre eigene Jazzband zu gründen und nennen sich Swing Girls (And A Boy). Zusammen mit ihrem Mathelehrer, einem Jazz-Liebhaber, üben sie mit Verve, um beim kommenden Studentenmusikfestival mitmachen zu können.

Trailer (japanisch)

In Zusammenarbeit mit dem Japanischen Kulturinstitut (The Japan Foundation)

 



©Augusta Laar

Sonntag, 3. Oktober - 16 Uhr

In Memoriam Friederike Mayröcker

DAS SCHREIBEN UND DAS SCHWEIGEN mit FRIEDERIKE MAYRÖCKER

D/A/I 2009, 90 min, Regie: Carmen Tartarotti

Friederike Mayröcker ist keine Protagonistin, die den Mediengesetzen gehorcht. Im Lichte ihrer Aura kollabieren viele Kategorien. 'Das Schreiben und das Schweigen' führt den Zuschauer ins Zentrum einer poetischen Existenz, sodass selbst die unscheinbarsten Dinge zu einem beseelten Kosmos gedeihen.

Carmen Tartarotti hat über mehrere Jahre hinweg die Dichterin in ihrer Wohnung und auf ihren Lesereisen so diskret wie möglich begleitet und befragt, großteils allein mit Kamera und Mikrofon, wie es sich die Protagonistin ausdrücklich gewünscht hat - entscheidend unterstützt vom Schweizer Kameramann Pio Corradi.

Eine der Voraussetzungen für das Zustandekommen des Films war die absolute Rücksichtnahme auf die derzeitige Lebenssituation der Schriftstellerin und auf ihre Arbeitsrhythmen. Über Monate hinweg war die Regisseurin darauf bedacht, Aussagen der Dichterin zu erhalten, die keine Antworten auf Fragen darstellen, sondern Äußerungen der scheinbar selbstverständlichsten Art: unspektakulär und gerade deshalb von großer Anziehungskraft.

Ich hab‘ gedacht es soll ein Film über das Schweigen werden. Das Schreiben und das Schweigen. Aber wie macht man das dann? Vielleicht ist es bei anderen Autoren so, dass sie beim Sprechen andere Sachen hervorholen aus ihrem Hirn, während ich nichts hervorholen kann. Ich mag nicht sprechen! Und auf dieser Grundlage werden wir unseren Film aufbauen. Friederike Mayröcker

Trailer

Zum ersten Schamrock-Festival der Dichterinnen 2012 konnte Friederike Mayröcker nicht nach München anreisen - seither gastiert die Internationale Lyirkbiennale auch einen Tag im Wiener Literaturhaus. 2014 war die große Dichterin dann zu Gast beim Festival, an ihrem 90sten Geburtstag. Sie spendete den Titel für die Festivalanthologie des 1. Schamrock-Festivals der Dichterinnen "hingerissen in eurer Mitte" und sandte eigens diese filmische "Gruszbotschaft":



Sonntag, 3. Oktober - 18 Uhr

HERE TO BE HEARD - THE STORY OF THE SLITS

GB 2017, 86 min, Regie: William E. Badgley

In der vorwiegend männlich geprägten Welt des Punkrock waren und sind The Slits als rein weibliche Band von Beginn an eine absolute Ausnahme. Auch gehörten sie mit zu den ersten Formationen, die Elemente von Reggae und Weltmusik zu ihren Songs hinzufügten. Sie ist die älteste all female Punkband, ohne die es heute vielerorts bekanntere Musiker_innen nicht gegeben hätte.

"Here to Be Heard" ist ein notwendiges Stück Pop­geschichtsschreibung. (epd-film)

They were the first group of female musicians doing it on their own terms. Their sheer inability to compromise or sell themselves on their sex appeal was a major inspiration to the Riot Grrl movement in the 1990s, and today their musical influence can be heard in bands from Sonic Youth to The Horrors. There seems to be no other time in rock’n’roll history where women were fronting bands and playing their own instruments. But was Punk really a time of equal opportunity for women? Sat in her basement flat just off Ladbroke Grove, Tessa remembers the reality of it all. “It was incredibly male orientated then, within the record companies, and it was a real struggle,” she says. “I think people forget how much of a struggle it was. I mean there has always been female singers but not women playing their own instruments”

For Viv, “It was a bit like the Second World War, where the women came to the fore because they were needed to work in the factories. It was such a bleak time, three-day weeks, a heat wave, no youth culture on TV or in the media, rubbish all over the streets. Any little rat that could rise up did. It was quite an equal time but it seemed to shrink away after.”

Janine Bullman in: Girls Unconditional: The story of The Slits, told exclusively by The Slits. www.loudandquiet.com/interview/the-slits/

Trailer



Sonntag, 3. Oktober - 20 Uhr

ZOUZOU (JOSEPHINE BAKER)

FR 1934, 92 min, Regie: Marc Allégret

Der hellhäutige Jean und die dunkelhäutige Zou-Zou werden von dem Besitzer einer Jahrmarktsbude, Vater Mélé, wie Geschwister großgezogen. Alle drei ziehen nach Paris, wo Zou-Zou sich ihren Lebensunterhalt in einer Wäscherei verdient, während Jean nach seinem Militärdienst als Elektriker im Varietétheater arbeitet.

Insgeheim verliebt sich Zou-Zou in ihren Adoptivbruder, der sich allerdings in die Tochter der Wäschereibesitzerin Claire verliebt hat.

Als Jean des Mordes verdächtigt wird, nimmt Zou-Zou einen Job als Tänzerin im Varieté an. Mit ihrem Verdienst bezahlt sie Jeans Anwalt und sie schafft es schließlich auch, den wahren Mörder zu überführen. Jean wird freigelassen - und Claire wartet schon auf ihn...

Die im Varieté-Milieu im Paris der 30er Jahre angesiedelte Geschichte ist filmhistorisch interessant und mit einigen guten Revue-Nummern versehen, und stellt Jean Gabin am Anfang seiner Karriere und Joséphine Baker auf ihrem Zenit vor. Die schiere Freiheit, die Josephine Baker durch ihre Bewegungen und Präsenz ausdrücken konnte, zeigt sich in diesem klassischen Melodram.

Ausschnitt