Ann-Kathrin Ast (D)

*1986 in Speyer, lebt in Innsbruck. Violoncellostudium.

Sie schreibt Lyrik, Prosa und Szenisches, Veröffentlichungen in zahlreichen Anthologien. Sie erhielt Stipendien u.a. des österreichischen Bundeskanzleramts (2016), des Landes Rheinland-Pfalz (2016) und des Förderkreises deutscher Schriftsteller (2010).

Lesungen in Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Österreich und der Türkei.

Texte von ihr sind ins Französische und Türkische übersetzt.

Freitag / Fr 28.10. - 15 Uhr

*1986 in Speyer, lives in Innsbruck, Austria. Studie violoncello.

She writes poetry, prose and drama, and published in various anthologies. She received scholarships by the Austrian governement (2016), the state of Rhineland-Palatinate (2016) and the german writers sponsoring society (2010).

Readings in Germany, France, Luxemburg, Belgium, Austria and Turkey.

Her texts have been translated into French and Turkish.

 

 

 

cantique

im anfang eine hellschwarz
härtende masse flutet stirr
schlammluft fasern in matrix
kristallzähne vernadeln sich
tontot vakuumteer eva

frisst in beton ein loch brocken
fasst sie braune feinrauhe
erdfäden dringen in fingerrillen
zerreißt asphalt und reißt und reißt
ein wasserstrom pocht aus dem schlamm
lieschgras dreizahn zerfranstes moos
breitet sie aus zu einer decke
und windet über akeleien
buschwindrosen zu einer laube
durch die die sonne zeichen wirft
narden und hennadolden umspannen
den brunnenturm der die quelle schließt
die wände ihres gartens sind blauzedern
und zypressen ein felsennest silberner
zinnen über granatapfelbäumen
stört sie nicht weckt sie nicht
auf bis es ihr selbst gefällt

garten verschlossen schließt an garten
mauern wie adern eines blatts hoch
höher evas in stratosphäre
schneiden sich tonarten der luft

sommernacht, fast mund

der mund ist eine insel groß noch grauer
nur ein streif blaurosa wie das lippenlose
wolkenkind fast mund das kind das mit
dem gräsernen wasser spielt umspült
dort wo die insel sich verschließt    
                                                     dort wo
                                           das wasser sie
                                  an ihre lippe nimmt   

 

 

 

(zu Edvard Munch: „Sommernacht am Oslofjord“
Öl auf Leinwand, um 1900)

dialogue du vent et de la mer

treibe mich fass mich
atme
in mir dir
unsichtbarem
will gestalt ich sein

meer la mer
furche
mich nicht
als eins fressen wir
schlamm flutpressen wir

zause mein wellen-
       haar atme
mich aus
meerwind windmeer wir sind

ein zuckender körper pulsschäume
               stechender kronriss
      peitsch flutfressende
lust

 

 

 

 

(zu C. Debussys «la mer» für Orchester, 3. Satz)